Die Davis Vantage Pro 2 Profi-Wetterstation verfügt gemäß ihrer Produktspezifikation über sehr enge Messtoleranzen, die schlussendlich auch den stolzen Preis rechtfertigen sollen. Doch wie bewährt sich die versprochene Messgenauigkeit der Davis Wetterstation in der Praxis?

Die Testproblematik – Wie überprüft man enge Toleranzen?

Während das Überprüfen der Messgenauigkeit bei meinen bisherigen Wetterstationen Tests verhältnismäßig einfach war, da diese Geräte zumeist recht grobe Messtoleranzen vorweisen, gestaltet sich die Überprüfung der engen Messtoleranzen der Davis Wetterstation schon recht schwierig. Dazu wären sündteure Vergleichsgeräte notwendig. Allerdings darf man sich von einer so teuren Wetterstation wie der Davis, durchaus erwarten, dass sämtliche versprochenen Toleranzen auch eingehalten werden. Dennoch habe ich versucht, so gut wie möglich die Genauigkeit der Davis Wetterstation zu eruieren. Ich werde auch immer den Vergleich zur günstigeren Profi-Wetterstation TFA Nexus herstellen.

Die Außentemperatur der Davis Wetterstation: Toleranz +/- 0,5 °C

Test der Messgenauigkeit der ISS der Davis Wetterstation

Meine Montagelösung: Betonierter Sockel, darauf einen Zaunpfahl geschraubt. Höhe ca. 1,8 Meter. Sehr stabil und günstig.

Diese Messtoleranz ist wirklich überragend und für viele wohl ein alleiniger Kaufgrund. Bei der Außentemperaturmessung spielen aber meiner Meinung nach andere Faktoren eine ebenso wichtige Rolle: Der Strahlenschutz und die Reaktionsschnelligkeit des Sensors:

Die passive Version der Davis weist bei direktem Sonnenschein relativ hohe Abweichungen auf

Meine Tests haben ergeben, dass bei direktem Sonnenschein im Hochsommer die Temperatur ca. 2,4 °C zu hoch war. Wenn man bedenkt, dass günstige Wetterstationen über keinen Strahlenschutz verfügen und diese Sensoren bei direkter Sonnenstrahlung schnell mal 10 °C und mehr Abweichung aufweisen, ist der Wert der Davis wirklich gut, aber nicht sehr gut.

Die Lösung bei Sonnenschein: Der aktive Strahlenschutz

Dennoch war mir die Abweichung zu viel, ich habe mir deshalb den aktiven Strahlenschutz um ca. 130 Euro gekauft. Diese Erweiterung vergrößert den Strahlenschutz und inkludiert einen solarbetriebenen Ventilator, der bei Sonnenschein die warme Luft aus dem Strahlenschutzgehäuse saugt. Die Ergebnisse waren überraschend gut, bei direktem Sonnenschein beträgt die Abweichung jetzt maximal +1 °C. Sie können die Davis übrigens sofort mit dem Strahlenschutz kaufen, dann müssen Sie selbst nichts montieren. Es gibt auch eine 24-Stunden Version des Lüfters, wo das Solarpanel einen Akku lädt, der den Ventilator dann auch nachts betreibt. Meiner Meinung nach ist das allerdings nicht notwendig – maximal zur Verbesserung der Reaktionsschnelligkeit auch bei Nacht.

Apropos Reaktionsschnelligkeit: Die Reaktionsschnelligkeit hat sich durch den aktiven Strahlenschutz mit Ventilator enorm verbessert. Während meine träge TFA Nexus einzelne kurze Wolkenbedeckungen an einem sonnigen Tag gar nicht registriert, schwankt bei der Davis die Temperatur sofort nach unten und bei Verschwinden der Wolke wieder rauf. Bei der passiven Version der Davis Vantage Pro 2 war dieser Effekt deutlich schwächer ausgeprägt, aber noch immer besser als bei der TFA Nexus.

Zur Info: Die Innentemperatur wird ebenfalls mit +/- 0,5 °C Toleranz erfasst. Hier gibt es aber einen sehr großen Kritikpunkt: Läuft die LED-Beleuchtung des Bildschirms dauerhaft (bei Netzbetrieb), dann steigt die Innentemperatur durch Stauwärme im Gehäuse, verursacht durch die LED, rasant an (3 Grad und mehr), das sollte nicht sein!

Die Außenluftfeuchtigkeit: Toleranz +/- 3 %

Diese Toleranz ist als sehr gut einzuordnen, zumal die Toleranz von 0 bis 100 % garantiert wird. Leider kann ich diese Messwerte nicht exakt überprüfen. Auffällig war beim Test der Davis Vantage Pro 2 allerdings, dass die Reaktionsschnelligkeit sehr gut ist. Hier gilt dasselbe wie bei der Außentemperatur: Durch den aktiven Strahlenschutz hat sich die Schnelligkeit enorm gesteigert. Zudem gleitet die Außenluftfeuchtigkeit bis zu 100 %. Im Test habe ich bisher nur 99 % erreicht, aber der feuchte Herbst kommt ja erst. 99 % hat bisher keine der rund 30 getesteten Wetterstationen erreicht. Ebenso das Gegenteil – Die Davis hat schon 35 % Luftfeuchtigkeit gemessen. Diese Messwerte, verglichen mit offiziellen Wetterstationen in der Nähe, waren im Test sehr plausibel und um Welten genauer (vor allem in den Extrembereichen) als bei günstigen Wetterstationen.

Die Innenluftfeuchtigkeit wird mit der Toleranz +/- 5 % erfasst und reicht maximal bis 90 %. Im Test lag die Luftfeuchtigkeit aber deutlich innerhalb der Toleranz. Außerdem wiesen die ISS und die Konsole nebeneinanderliegend (im Wohnzimmer) sowohl bei Temperatur als auch bei der Luftfeuchtigkeit die exakt gleichen Werte auf!

Eine Info am Rande: Der in der ISS verbaute ca. 3 cm große Thermo-Hygro-Außensensor ist alleine schon ca. 150 Euro Wert.

Die Regenmessung: +/- 4 % Genauigkeit laut Hersteller

Ein Wippschlag des Sensors bedeutet 0,2 mm Niederschlag, das ist die Einheit, mit der der Niederschlagssensor arbeitet. Es sind also sehr genaue Regenmessungen möglich. Sehr wichtig für genaue Messwerte ist die waagrechte Ausrichtung der ISS! Es befindet sich für diesen Zweck eine Mini-Wasserwage am Boden des Regensensors. Im Test habe ich die Davis mit dem TFA Regenmesser verglichen (allerdings hat dieser eine 1-Liter Auflösung), der etwas genauer als die klassischen Baumarkt-Regenmesser ist (da größer). Auf 30 Liter Regen haben beide Niederschlagsmesser maximal +/- 1 Liter Abweichung zueinander. Bei kurzem Starkregen ist die Abweichung größer als bei konstantem Niederschlag.

Windmessung der Davis Wetterstation: Toleranz +/- 3 km/h oder 5 %

Mein Windmesser ist auf dem Dach montiert, ca. 9 Meter über dem Boden. Die Windmessung ist sehr standortabhängig und kann nur sehr schwer auf Genauigkeit überprüft werden – dies wäre wohl nur im Labor unter konstanten Bedingungen möglich. Dennoch: Die Windmessung war für mich ein Hauptgrund, die Davis Wetterstation zu kaufen. Das kurze Übertragungsintervall von 2,5 Sekunden hat sich im Test der Davis Vantage Pro 2 enorm bewährt. Während die TFA Nexus nur alle 11 Sekunden misst und dadurch sehr viele Windböen gar nicht erfasst, entgeht der Davis so gut wie nichts. In den ersten beiden Monaten hatte ich an 2 Tagen Windböen über 50 km/h und an 4 anderen Tagen Windböen über 40 km/h. Die TFA Nexus hat im selben Zeitraum und trotz besseren Standortes (!) 35 km/h als Max-Wert erfasst. In 7 Jahren hat die Nexus nur 4 Mal Werte über 50 km/h gemessen. Nachtrag 23.10.2014: Beim Herbststurm „Gonzalo“ hat die Davis 81 km/h gemessen, die Nexus 54 km/h.

Die Messung der Solarstrahlung mittels Solarsensor

Im Sommer 2015 habe ich den Solarsensor nachgerüstet. Er misst die Solarstrahlung in Watt pro m². Mittels der Software WSWIN kann so die Sonnenscheindauer dargestellt und aufgezeichnet werden. Die Werte sind aber auch für Besitzer von Photovoltaik-Anlagen interessant. Die Montage des Sensors ist sehr einfach, die Sensorhalterung muss extra gekauft werden und wird direkt an der ISS montiert. Der Standort des Sensors sollte im Optimalfall den ganzen Sonnengang in allen Jahreszeiten abdecken, also nie beschattet sein. So ein Standort ist in normalen Gärten schwer zu finden, da gilt es Kompromisse einzugehen. Die Genauigkeit des Sensors kann ich nicht überprüfen. Die Sonnenscheindauer in WSWIN hat aber nie mehr als 10 Minuten pro Tag Abeichung. Gekostet hat der Sensor mit Halterung ca. 200 Euro auf wetterladen.de.

Der Luftdruck der Davis Wetterstation: Toleranz +/- 1,7 hPa

Hier wurde die Qualität der Davis Vantage Pro 2 einmal mehr deutlich: Beim Einrichten der Konsole und nach dem Einstellen der Seehöhe wurde der Luftdruck sofort exakt angezeigt. Bei der TFA Nexus musste ich bei der Seehöhe „schummeln“, um auf den richtigen Wert zu kommen (den exakten Wert erhalten Sie von der nächstgelegenen offiziellen Wetterstation). Die Sensibilität der Luftdruckmessung hat mich in weiterer Folge ebenso überzeugt: Sogar schwache Gewitter wurden mit einem „Knicks“ im Luftdruck ersichtlich. Die TFA Nexus registriert nur wirklich starke Gewitter.

Im Falle einer konstanten Abweichung kann kalibriert werden

Sollten Sie bemerken, dass irgendein Messwert konstante Abweichungen aufweist, sei es gerätebedingt oder standortbedingt, können Sie diese Abweichung als Kalibrierwert an der Konsole einstellen. Danach wird der Messwert, verändert um den Kalibrierwert, auf der Konsole angezeigt.

Fazit zum Genauigkeits-Test der Davis Vantage Pro 2: Erfüllt, was man sich von diesem Preis erwarten darf

Für den recht stolzen Preis der Davis Profi-Wetterstation bekommt man wirklich sehr gute Messtoleranzen, die im Test – soweit mit vertretbarem Aufwand überprüfbar – auch eingehalten werden. Vergleicht man die Davis Vantage Pro 2 mit günstigeren Profi-Wetterstationen, wie meiner TFA Nexus, dann gibt es keinen Grund zum Zweifel, dass die Davis Vantage Pro 2 ihren Preis voll und ganz rechtfertig. Wenn Sie weitere technische Daten zur Davis Wetterstation haben wollen, dann verweise ich Sie an die Bedienungsanleitung oder an den Produktkatalog.

Die Test-Serie zur Davis Vantage Pro 2:

Teil 1 – Davis Vantage Pro 2 im Test – Das Konzept der Wetterstation
Teil 2 – Aufbau und Einrichtung der Konsole und der ISS
Teil 3 – Die Konsole der Davis im Test
Teil 4 – Die Messgenauigkeit der Davis Vantage Pro 2 am Prüfstand
Teil 5 – Die Funkverbindung der Davis Wetterstation
Teil 6 – Das Zubehör und Erweiterungsmöglichkeiten zur Davis Vantage Pro 2
Teil 7 – Fazit zum Test der Davis Vantage Pro 2
Teil 8 – Meine Erfahrungen nach 2,5 Jahren

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